Waldkindergarten Neckarmühlbach: Ein bewährtes Angebot geht zu Ende
Waldkindergarten Neckarmühlbach: Ein bewährtes Angebot geht zu Ende
Das Angebot im Waldkindergarten in Neckarmühlbach läuft nach dem Kindergartenjahr 2026/2027 aus. Bis dahin wird er mit einer halben Gruppe in bewährter Qualität weitergeführt. Das hat der Gemeinderat am 21.09.2026 entschieden. „Der Waldkindergarten ist seit vielen Jahren ein besonderer und geschätzter Bestandteil des Betreuungsangebots unserer Gemeinde. Mit Blick auf die geringen Anmeldezahlen aus der Gesamtgemeinde Haßmersheim und die vergleichsweise hohen Kosten müssen wir diesen Schritt aber gehen“, sagt Bürgermeister Christian Ernst.
Sinkende Anmeldezahlen
Viele Familien haben die naturnahe pädagogische Arbeit sehr geschätzt, das besondere Konzept wurde lange Zeit gut angenommen.
In den vergangenen Jahren ist die Nachfrage nach Betreuungsplätzen im Waldkindergarten aber deutlich zurückgegangen. Während die Einrichtung ursprünglich als Gruppe mit bis zu 18 Kindern geführt werden konnte, haben sich die Anmeldezahlen – auch aufgrund der rückläufigen Geburtenzahlen – kontinuierlich verringert. Die Schließung des Waldkindergartens in Hüffenhardt Ende 2024 führte im darauffolgenden Jahr noch einmal zu einer vorübergehenden Stabilisierung. Eine dauerhaft ausreichende Nachfrage zeichnet sich jedoch nicht ab.
Nur fünf Kinder aus Haßmersheim
Für die Gemeinde ist die Entwicklung der Nachfrage aus dem eigenen Gemeindegebiet von Bedeutung. Im Kindergartenjahr 2025/26 wurden insgesamt 16 Kinder im Waldkindergarten betreut. Lediglich fünf davon kamen aus Haßmersheim und Hochhausen und kein Kind aus Neckarmühlbach. Gleichzeitig bestehen in Haßmersheim und Hochhausen weiterhin kommunale Kindertageseinrichtungen, in denen die Betreuung der Kinder aus dem Gemeindegebiet wohnortnah sichergestellt werden kann.
Schwierige, aber notwendige Entscheidung
Nach gründlicher Abwägung hat der Gemeinderat deshalb am 21. September 2026 eine schwierige, aber aus Sicht der Gemeinde notwendige Entscheidung getroffen: Der Waldkindergarten wird bis zum Ende des Kindergartenjahres 2026/27 noch als halbe Gruppe weitergeführt. Damit erhalten die derzeit betreuten Kinder die Möglichkeit, ihre Kindergartenzeit in ihrer vertrauten Umgebung und Gemeinschaft zu beenden. Danach wird das Angebot als eigenständige Betreuungseinrichtung auslaufen.
Die Entscheidung ist ausdrücklich keine Entscheidung gegen die Wald- und Naturpädagogik. Sie ist vielmehr eine Reaktion auf die veränderte Nachfrage und die Verantwortung der Gemeinde, ihre Betreuungsangebote dauerhaft bedarfsgerecht und finanziell verantwortbar zu gestalten. Nach Abzug aller Förderungen und Zuschüsse ein Kita-Platz im Waldkindergarten mit rund 11.000 €/Jahr die höchsten Platzkosten.
Gerade als kleinster Ortsteil steht Neckarmühlbach im Fokus der Gemeinde. Der Grundsatz „Kurze Beine – kurze Wege“ bleibt für uns wichtig: Wo vor Ort ein entsprechender Bedarf besteht, soll dieser auch möglichst wohnortnah gedeckt werden. Gleichzeitig müssen vorhandene Angebote dort angepasst werden, wo die Nachfrage dauerhaft nicht mehr ausreicht.
Perspektive für Mitarbeitende
Auch für die pädagogischen Fachkräfte des Waldkindergartens wird eine Perspektive geschaffen. Diese können in die beiden kommunalen Kindertageseinrichtungen in Haßmersheim und Hochhausen übernommen werden. Damit bleibt ihre Erfahrung und ihr pädagogisches Engagement der Gemeinde erhalten.
Mit dem Ende des Waldkindergartens soll auch der Standort selbst nicht einfach in Vergessenheit geraten. Die Gemeinde wird prüfen, ob und in welcher Form die vorhandenen Möglichkeiten künftig für Angebote im Bereich der Natur- und Waldpädagogik genutzt werden können. Der besondere
Charakter des Standorts soll dabei nach Möglichkeit erhalten und für Kinder und Familien weiterhin erlebbar bleiben.
„Unser herzlicher Dank gilt dem gesamten pädagogischen Team für die engagierte Arbeit und die vielen Jahre, in denen es den Waldkindergarten mit Leben gefüllt und für die Kinder zu einem besonderen Ort des Lernens, Spielens und Entdeckens gemacht hat.
Ein ebenso großer Dank gilt allen Eltern und Familien für ihr Vertrauen, ihre Unterstützung und die gute Zusammenarbeit“, sagt Bürgermeister Christian Ernst.
Weitere Entscheidungen werden notwendig
Die Entscheidung zum Waldkindergarten ist Teil einer umfassenderen Betrachtung der angespannten finanziellen Situation der Gemeinde Haßmersheim. Steigende Ausgaben und begrenzte finanzielle Spielräume machen es erforderlich, bestehende Strukturen und Angebote zu überprüfen.
Das Auslaufen des Waldkindergartens ist daher ein erster Schritt in einem notwendigen Prozess. Weitere Entscheidungen werden folgen müssen, um die finanzielle Leistungsfähigkeit und Handlungsfähigkeit der Gemeinde langfristig zu sichern. Dabei gilt es, Prioritäten zu setzen und die vorhandenen Mittel verantwortungsvoll einzusetzen. Die anstehenden Entscheidungen werden nicht immer einfach sein, sind jedoch mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit unserer Gemeinde notwendig.

